Die Innovationskraft vieler Unternehmen wurde in den vergangenen Monaten zunehmend auf die Probe gestellt. Es scheint so, als ob der kreative Funke, der in der Vergangenheit oftmals und unerwartet neue Ideen hervorbrachte, in der virtuellen Arbeitswelt erloschen ist. Doch stimmt das wirklich und wenn ja, was lässt sich dagegen tun?

Zugegeben, wir alle mussten zuerst einmal kreative und innovative Lösungen finden, um überhaupt über so lange Zeit remote zusammenarbeiten zu können. Aber um das soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen. Wir möchten die Aufmerksamkeit viel eher auf die innerbetriebliche Innovationskraft lenken – also jene Kraft, die neue Wertschöpfung ermöglicht und eine Organisation vorantreibt – und aufzeigen, wie wir diese in der hybriden Arbeitswelt ermöglichen können.

Jedes Feuer startet mit einem Funken. Dasselbe gilt für Innovationen. Dem zündenden Funke liegt aber oftmals weder ein formeller Prozess noch ein strukturiertes Meeting oder ähnliches zugrunde. In Tat und Wahrheit entzündet sich dieser Funken in natürlichen, ungeplanten und informellen Gesprächen. Dieses Phänomen wird mit dem wunderbaren – wenn auch etwas sperrigen – Begriff Serendipität umschrieben.

Was ist Serendipität?

Serendipität ist sozusagen die geistige Umsetzung des Sprichwortes «Der Weg ist das Ziel» und bedeutet, Dinge zu finden, nach denen wir gar nicht aktiv gesucht haben, aber die sich im Nachhinein als sehr wertvoll herausstellen.

Gemäss Forscher der Berkeley Universität entsteht Serendipität wie folgt: Eine Person, die (latent oder explizit) nach einer Lösung sucht, findet sich in einer Umgebung wieder, die eine überraschende Verbindung zwischen zuvor unverbundenen Informationen ermöglicht, was wiederum zu einer unerwarteten Lösung führt.

Frei übersetzt heisst das nichts anderes als: Jemand mit einem Problem hat eine zufällige Begegnung mit jemandem, der zufällig eine unerwartete, aber effektive Lösung für das Problem liefert.

Somit liegen Serendipität und Zufall eng beieinander. Im Vergleich zum Zufall setzt Serendipität jedoch einen wachen, vorbereiteten Geistes voraus. Wir müssen stets für den Wink des Zufalls bereit sein und ihn im richtigen Augenblick bemerken. Dafür braucht es Timing, Neugier sowie die Fähigkeit vernetzt und flexibel zu denken und zu handeln. Eine erhöhte Frustrationstoleranz schadet ebenfalls nicht, denn nicht jede Idee wird automatisch zum Erfolg. Aber die Mühe lohnt sich, denn so mancher bahnbrechender Erfindung liegt eine serendipitöse Entdeckung zugrunde.

Erfolgsbeispiele gefällig?

Als Christoph Columbus im Jahr 1492 das Wagnis einging eine neue Handelsroute von Europa nach Indien zu finden, entdeckte er ganz nebenbei einen neuen Kontinent, den er gar nicht gesucht hatte.

Sir Alexander Fleming entdeckte im Jahr 1928 zufällig die Wirkung des Penicillins – besser bekannt als Antibiotika – welches später den Siegeszug gegen diverse Krankheiten antrat und noch heute Millionen von Menschenleben rettet.

Aber auch alltägliche Dinge, wie bspw. die Mikrowelle, der Sekundenkleber, Cornflakes, Post-its Notes, der Klettverschluss, ja sogar das Internet verdanken ihre Existenz der Serendipität. Die Liste liesse sich beliebig erweitern.

Wand mit Post-its
Haftnotizen – die kleinen Helfer sind durch die Serendipität entstanden.

 Die genannten Beispiele suggerieren vielleicht fälschlicherweise, dass sie einem einzelnen Menschen zu verdanken sind. Wir haben jedoch selten innovative Ideen, während wir alleine verkrampft über etwas nachdenken. Oft entstehen serendipitöse Entdeckungen spontan und sind ein Resultat aus zwischenmenschlichen Beziehungen und sozialen Interaktionen.

Serendipität kann aber per Definition weder erzwungen noch geplant werden. Somit ist es leider nicht möglich exakt vorherzusagen, wann oder wo Innovationen entstehen oder welche persönlichen Kontakte in Zukunft wichtig sein werden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass Unternehmen die Bedingungen schaffen können, unter denen Serendipität wahrscheinlicher wird.

Wie fördert man Serendipität am physischen Arbeitsort?

Spontane Besprechungen zwischen Mitarbeitenden im Büro sind nach Monaten virtueller Zusammenarbeit nun wieder möglich. Dies allein stellt wieder ein Anreiz dar vermehrt ins Büro zu kommen. Aber der ersehnte Ansturm auf die Büros blieb bekanntlich aus. Um das Homeoffice nicht zum goldenen Käfig werden zu lassen und allen Mitarbeitenden wieder die Vorzüge des Büros aufzuzeigen können diverse Punkte in Betracht gezogen werden.

Aus der mehrmonatigen Homeoffice-Erfahrung müssen Mitarbeitende vielleicht erst wieder lernen, dass sie sich unterhalten dürfen und dass Pausen wieder häufiger und länger dauern. Fördern Sie dieses Verhalten und lassen Sie Mitarbeitende, wo immer möglich aufeinander treffen. Schaffen Sie Raum für Begegnungen. Selbst mit kleinen, räumlichen Anpassungen können Sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Mitarbeitenden sich begegnen ohne ihr bestehendes Büro komplett umgestalten zu müssen.

Die besten Büroräume zwingen Mitarbeitende dazu, von ihren Schreibtischen aufzustehen, um gemeinsame Bereiche wie Pausenräume aufzusuchen. Das macht es wahrscheinlicher, dass Menschen, die nicht regelmäßig zusammenarbeiten, spontane Gespräche führen.

Es mag kontraintuitiv klingen, aber planen Sie zu Beginn Zeit ein für den Zufall. Wie bereits erwähnt, lässt sich Serendipität zwar nicht planen, aber wenn Sie den Mitarbeitenden eine bestimmte Zeit für informelle Gespräche einräumen werden auch ungeplante Gespräche wieder wahrscheinlicher. Holen Sie dafür die Führung ins Boot. Objektiv sieht Serendipität nämlich nicht nach produktiver Arbeit aus, also stellen Sie sicher, dass Ihre Führungskräfte die Idee unterstützen und die Mitarbeiter nicht unter Druck setzen «wieder an die Arbeit» zu gehen.

Machen Sie Ihren Mitarbeitenden klar, dass sie sich auch tagsüber Zeit für informelle Gespräche nehmen dürfen. Dies fördert den spontanen Austausch von Ideen und Brainstorming-Sitzungen und fördert den Zusammenhalt im Team. Nicht selten entwickelt sich aus einem vorerst informellen Gespräch etwas mit grossem Wertschöpfungspotential für das Unternehmen.

Fördern Sie gemeinsame Aktivitäten, wie bspw. gemeinsame Mittagessen oder Abendveranstaltungen aber seien sie nicht traurig, wenn der erwartete Ansturm vorerst ausbleibt. Denn wie gesagt, Mitarbeitende müssen ggf. erst wieder lernen mit den Dynamiken im Büroalltag umzugehen.

Wie fördert man Serendipität am virtuellen Arbeitsort?

Die Erfahrungen aus der rein virtuellen Zusammenarbeit haben gezeigt, dass der Kreis der Arbeitskollegen enger gezogen wurde. Die Kontakte beschränkten sich zunehmend auf die Personen, mit denen man inhaltlich eng zusammenarbeitete oder mit denen man bereits eine enge Beziehung aufbauen konnte. Kontakte zu Personen aus der Peripherie gingen zwangsläufig verloren, denn es war und ist in der virtuellen Welt fast unmöglich, jemand aus einer anderen Abteilung oder einem anderen Team überraschend zu «treffen».

Unternehmen müssen also Wege finden, wie sie ihre remote Mitarbeitenden zusammenbringen. Das Ziel soll es sein, so weit wie möglich die Bedingungen nachzubilden, unter denen Mitarbeitende sich zufällig treffen und austauschen können. Offene, virtuelle Pausenforen in Microsoft Teams, Skype, Zoom, etc. fanden zwar während des Lockdowns wenig Anklang aber in der hybriden Arbeitswelt vermag sich dieses Format vielleicht durchzusetzen. Denn im Vergleich zur Vergangenheit sind wir heute nicht mehr «nur» auf virtuelle Meetings angewiesen und unser virtueller Meeting-Überdruss fällt nicht mehr so stark ins Gewicht. Ausprobieren schadet nicht.

Auch wenn viele Menschen gerne von zu Hause aus arbeiten – und dies in Zukunft auch weiterhin tun möchten – haben sie doch das Bedürfnis Kontakte zu knüpfen und zwischenmenschliche Beziehungen zupflegen. Geben Sie Ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit sich zu vernetzen und sich auch informell auszutauschen und schaffen Sie so die Grundlage für Serendipität.

Egal was sie tun, denken Sie stets daran, dass es hierbei um informelle Diskussionen geht und nicht um strukturierte Sitzungen. Keine serendipitöse Entdeckung begann jemals mit der Absicht, eine neue Innovation zu entwickeln. Gestalten Sie also die Treffen spielerisch und unterhaltsam, damit sich die Teilnehmenden wohl fühlen. Ohne spezifische Agenda werden die Gedanken und Gespräche in unerwartete Richtungen gehen.

Wollen Sie mehr darüber erfahren oder haben Sie Fragen zu der Gestaltung von Rahmenbedingungen damit Ihre Kommunikation auch im hybriden Arbeitsmodell funktioniert? Dann zögern Sie nicht und kontaktieren Sie uns oder schauen Sie sich unsere Angebote genauer an. Wir helfen Ihnen gerne dabei eine erfolgreiche hybride Arbeitskultur zu gestalten.


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